Gibt es einen Generationenkonflikt?
An der diesjährigen Delegiertenversammlung des ASRV vom
28. Mai 2009 in Lupfig, fanden die Referate im zweiten Teil reges Interesse bei den über 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Denn es zeigt sich, dass die ältere Generation gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten zur Zielscheibe der verschiedensten Inte-ressengruppen wird. Die alten Leute belegen die Plätze im öffent-lichen Verkehr zur falschen Zeit, sie bewegen sich auch zur falschen Zeit auf den Strassen und sie leben zulasten der erwerbstätigen Generation, ganz zu schweigen von den Gesund-heits- und Pflege-kosten. Dieses Bild will der Aargauische Senioren- und Rentner-verband ASRV korrigieren.
Für den Präsidenten des ASRV, Viktor Würgler, Schlossrued, gelten zwei Schwerpunkte: die Mobilität im Alter ist existenziell wichtig für die Seniorinnen und Senioren, aber auch für sie gilt der Grundsatz, dass nur sicher gefahren werden darf. Damit dieser Grundsatz zum Tragen kommt, gilt in erster Linie die Eigenverantwortung, in die weitere Verantwortung teilen sich die Ärzte und das Straßen-verkehrsamt.
Die Reihe der Referate eröffnete Hansueli Bleiker, Verkehrslehrer VPI und ehemaliger Prüfungsexperte STVA. Er wies insbesondere auf die unterschiedlichen Folgen bei Unfällen hin, in denen Senio-ren involviert sind gegenüber Vorkommnissen mit jüngeren Fahr-zeuglenkern. Die hohen Hürden der Kontrollfahrten und Meldungen bei Erkrankungen lassen die Vermutung einer Diskriminierung aufkommen. Das darf nach den Worten des Referenten nicht sein und auch der ASRV weist die Gleichung „Graues Haar gleich Gefahr“ zurück.
Der Mediziner Dr. Karl Seiler setzte sich mit Fahreignung und Fahr-kompetenz auseinander. Fahreignung setzt Gesundheit voraus und Fahrkompetenz heißt sicheres und korrektes Fahren. Dass ältere Menschen anfälliger auf Krankheiten sind, ist eine Tatsache. Ihr muss man mit entsprechenden Kontrollen durch den Hausarzt und einer auf die Praxis ausgerichteten Fahrberatung entgegenwirken.
Sehr interessant waren die Erklärungen der Professoren Dr. med. Felix Walz und Dr. med. Urs Schwarz zur zentralen Funktion des Gehirns und zur Einsicht, dass dieses zentrale Steuerungselement im Alter „mottenfraßartige Veränderungen“ erleidet. Die Gruppe der Senioren ist erhöhten Risiken ausgesetzt, aber auch positive Veränderungen sind im Spiel, so die bessere strategische Planung der individuellen Fahrzeugbewegungen und das Bewusstsein des Leistungsabfalls und die Wahrnehmung der richtigen Konsequen-zen. Die Methode der technischen Evaluation der Fahreignung (TEF) soll die folgenden Anforderungen erfüllen: objektive Messmethode, einfache Bedienbarkeit, untersucherunabhängig und Teilnahme-möglichkeit ohne besondere intellektuelle oder sprachliche Fähig-keiten. Der Test ist überdies mit einer Viertelstunde sehr kurz. Ziel des Projekts TEF ist die Entwicklung eines Gerätes, das keine (Differential-)Diagnosen liefern soll, sondern Hinweise geben soll, ob ein(e) Kandidat(in) gesund und für die Teilnahme am Straßen-verkehr geeignet ist. Der Test soll die zweijährlich erfolgenden Untersuchungen durch den Hausarzt weder konkurrieren noch ersetzen, sondern durch eine objektive Messmethode ergänzen.
In der anschließenden Diskussion wurden die Referate positiv be-wertet. Zweifel kamen auch nicht an der Verantwortung des Straßenverkehrsamtes auf, dessen Position der hauptverantwort-liche Jurist, Martin Bruder, vertrat. Der freiwillige oder zwangsweise Verzicht auf den Führerschein stellt in jedem Fall einen gravieren-den Einschnitt dar. Umso wichtiger ist, dass die damit verbundenen Verfahren objektiv und transparent sind und keinen Anschein einer altersbedingten Diskriminierung aufweisen. Im weiteren Dialog ist dies ein zentrales Anliegen. V. Würgler





